Die Kunst des herzlichen Willkommens
Villa Grisebach – Ein Auktionshaus so offen und lebendig wie Berlin
Im Foyer der Villa Grisebach lehnt ein Warhol an der Wand. Ein echter Warhol, versteht sich. Das knallebunte Porträt seiner Praktikantin Marie Chantal. Die Besucherin zögert am Eingang, lässt dann doch die schwere Jugendstiltür hinter sich in Schloss fallen, bewegt sich wie auf glattem Eis. Typisch für die meisten von uns, wenn es um Galerien und Auktionshäuser geht, oder? Schwellenangst heißt das Phänomen.
„Die lasse ich bei uns nicht gelten“, sagt Daniel von Schacky, Miteigentümer des renommierten Auktionshauses Grisebach und lacht laut und herzlich. „Unser Erdgeschoss ist jederzeit für alle offen. Dort hängt immer interessante Kunst, manchmal eine Ausstellung, manchmal Highlights einer kommenden Auktion. Verstehen Sie dies bitte gern als Einladung, vorbeizuschauen, von nah und fern!“

Bei den Grisebachs passiert sehr viel mehr als Kunsthandel
Daniel von Schacky zählt auf: Buchvorstellungen, Gespräche mit Kuratoren und Künstlern, Gespräche über Nachlässe. Neulich war Anna Polke zu Gast, die Tochter von Sigmar Polke. Jeden Sommer ist die Klasse einer Kunsthochschule eingeladen, hier auszustellen. „Um Freunden der Villa Grisebach mal einen Blick in den Maschinenraum der Kunst zu geben“, erklärt der Mann im Wollpullover. Freunde dürfen sich übrigens alle nennen, die den Newsletter der Villa abonniert haben, die der Architekt Hans Grisebach 1891 als sein Familienheim baute.

Daniel von Schacky ist mit dem Auktionshaus Grisebach aufgewachsen. Sein Stiefvater war einer seiner fünf Begründer, Bernd Schultz. Von Schacky selbst hat den Umgang mit der Kunst von der Pieke auf gelernt, als Jugendlicher in der Villa Kisten geschleppt, später in den USA und London Kunstgeschichte studiert, bevor er das Haus 2023 als vorsitzender Geschäftsführer übernahm.

„Es ist ein ganz wichtiger Teil unserer DNA, dass wir nicht irgendwo sind, sondern in Berlin.“
Daniel von Schacky, Sprecher der Geschäftsführer und Partner, Experte für Zeitgenössische Kunst
Kunst, die in Berlin entsteht und gezeigt wird, nimmt man auf der ganzen Welt wahr
Berlin trotz der Mauer wieder zu einem Leuchtturm und Kunstmittelpunkt weltweit zu machen, war 1986 die Vision von Bernd Schultz und seinen Mitstreitern. „Es gab hier ja schon seit den 60er, 70er Jahren wieder eine große Künstlerszene“, erklärt Daniel von Schacky. „Es gab billige Räume, die Universität der Künste, die Maler mussten nicht zur Bundeswehr – alles große Anreize. Und Künstler wollen immer gern bei anderen Künstlern sein, wollen sehen, was die anderen machen. Diese Dichte ist noch heute die Stärke von Berlin.“
Das 54köpfige Team ist stolz darauf, wie sehr Grisebach mittlerweile zum internationalen Kunstbetrieb gehört. Gerade hängt in der Halle der Villa ein Kunstwerk aus Japan. In der letzten Auktion gingen Bilder nach Norwegen, in die Schweiz und die USA. Insgesamt über 60.000 Adressen zählt die Kundenkartei des Auktionshauses mit Standorten in Zürich, Düsseldorf, München und Repräsentanten in Frankfurt, Stuttgart, Köln und Hamburg.

Ein Rekord für Deutschland: 2022 wechselte hier ein Selbstporträt von Max Beckmann für 23 Millionen Euro den Besitzer
Bei seiner Provenienzforschung stößt das Team nicht selten auf Enteignungsgeschichten von vor 90 Jahren. Dieses Thema beschäftigt Grisebach schon lange: Da er selbst noch viele der Kunstmenschen kennengelernt hat, die aus Deutschland fliehen mussten, hat Bernd Schultz dies zum Anlass genommen, um 2017 ein Exilmuseum zu gründen, erzählt Daniel von Schacky. Aber Provenienzforschung bedeute natürlich auch schlicht, die Echtheit von Werken zu prüfen, um sie mit gutem Gewissen vermitteln können.
Eigenbeschreibung der gediegenen Villa: ein wendiges Schnellboot im weltweiten Kunstbetrieb
Die schnelle Reaktionsfähigkeit und das Wissen der Villa Grisebach hat vor allem mit deren Geschäftsführung zu tun. Wie eine gute Band seien ihre vier Mitglieder alle Koryphäen auf ihrem Gebiet, sagt Daniel von Schacky. Von Anfang an hatte das Haus den Schwerpunkt Klassische Moderne, für die heute zwei der Geschäftsführer verantwortlich zeichnen. Seitdem hinzugekommen sei fundiertes Fachwissen für Zeitgenössische Kunst und Fotografie.

“Wir wollen mit unseren Kunden eine vertrauensvolle, langfristige Beziehung pflegen.”
Daniel von Schacky, Sprecher der Geschäftsführer und Partner, Experte für Zeitgenössische Kunst
Auktionen – immer eine Frage der Finanzen und der hochfliegenden Emotionen
Die nächsten Auktionen finden am 27. und 28. November in der Villa statt. Es werde sehr spannend, verspricht der Auktionator: Die Sammlung Walter Bauer, die fast ein Dachbodenfund darstelle, so lange sei sie in Vergessenheit geraten. Viele tolle Werke aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert seien dabei, etwa ein Selbstporträt von Paula Modersohn-Becker und eine frühe Zeichnung von Caspar David Friedrich. Spektakulär auch das großformartige Nagelbild des jüngst verstorbenen Günther Uecker, das ein weiteres Highlight der Abendauktion darstellt. Gleichzeitig ist die Auktion der Auftakt für das Jubiläum 40 Jahre Grisebach im nächsten Jahr. Feierlaune in der historischen Villa.

Kunsthandel sei immer eine hochemotionale Sache, erklärt Daniel von Schacky. „Schließlich geht es bei uns nicht um Alltägliches wie Socken. Nichts gegen Sockenhändler. Aber wir wollen mit unseren Kunden eine vertrauensvolle, langfristige Beziehung pflegen.“ Eine Stammkundin habe kürzlich vor ihrem Tod entschieden, ihre Kunst nur durch Grisebach weiterzugeben. Ein großes Kompliment. „Dieses Familiäre ist uns wichtig. Gerade, weil die Kunstwelt manchmal abschreckend wirken kann. Bei der Villa Grisebach tut das schon die Eingangstreppe. Aber das ist nur Architektur, das sind nicht wir.“

Kontakt
Grisebach GmbH
Fasanenstraße 25
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T +49 30 885 915 0
F +49 30 882 414 5
Impressum
Produziert von Tagesspiegel IMPACT für Grisebach
Fotos: Nadja Bossmann, © Stefanie Loos, © Christian Kain, © Andreas Henn, © René Fietzek, © Roderick Aichinger, © Urban Zintel, © Wolfgang Stahr, Grisebach
Produktion: Alexander Matt
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